Gemeinsame Erklärung der Jungen CDA und der Fraktion christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im österreichischen Gewerkschaftsbund

Freitag, 07. Juli 2017

Was bedeutet eigentlich Europa? Viele sagen, dass wäre alles viel zu abstrakt und nicht greifbar. Thomas Rack, Bundesvorsitzender der jungen Fraktion christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, hat die Idee konkret gemacht und die junge CDA kontaktiert, um einen Austausch zwischen unseren Vereinigungen zu starten. Zusammen mit dem Gewerkschaftssekretär des ÖGBs Denis Strieder besucht er uns in der Hauptgeschäftsstelle in Berlin. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde legten wir auch sofort mit der Diskussion los. So unterschiedlich der Aufbau der Arbeitnehmervertretungen und der Mitbestimmung ist, wir stellten relativ schnell fest, dass die Aufgabenstellungen und Probleme, die die Arbeitnehmer beschäftigen, im Kern fast identisch sind. Am Ende haben wir unsere gemeinsamen Positionen festgehalten. Ich bedanke mich bei Thomas und Denis für den Aufbau des Kontakts und den Besuch. Es war nicht der letzte Kontakt.

Tabea Burchartz, Bundesvorsitzende der Jungen CDA

 

 

  • Ladenöffungszeiten

 

In beiden Ländern wird die Öffnung der Ladenöffnungszeiten, besonders auf den Sonntag, intensiv diskutiert. Wir sind der Meinung, dass der Sonntag weiterhin geschützt bleiben muss und die Ladenöffnungszeiten nicht auf den Sonntag ausgedehnt werden sollen.

 

  • Digitalisierung

 

Wir sind uns einig, dass die Digitalisierung die Arbeitsbedingungen und auch den Arbeitsmarkt komplett verändern wird. Es werden Berufe wegfallen und neue entstehen bzw. Berufe, die noch nicht stark gefragt werden, werden plötzlich sehr nötig gebraucht werden. Besonders in der IT-Branche wird der Bedarf bei der momentanen Ausbildungssituation nicht befriedigt werden können. Diese Situation muss stärker gestaltet werden. Als allererstes muss dafür gesorgt werden, dass die Menschen, die im Rahmen dieses Umbauprozesses ihren Job verlieren, weiter Arbeit finden. Klassisches Beispiel sind die automatischen Kassen im Supermarkt. Wenn statt sechs Kassiererinnen nur noch eine an der Kasse sitzt und der Rest durch Selbstbedienungskassen ersetzt wird, dann muss hinterfragt werden, was mit den anderen fünf passiert. Hier müssen Weiter- und Fortbildung im Fokus stehen.

Es muss außerdem zukunftsorienterierter ausgebildet werden. Dazu ist eine Analyse nötig, die beantwortet, welche Berufe werden in Zukunft stärker gefragt werden? Welche Berufe fallen weg? Und dann muss durch Förderung diese Berufe gezielt bei jungen Leuten beworben werden.

Durch die Schnelllebigkeit der Digitalisierung wird es immer wichtiger, sich lebenslang weiterzubilden. Dies muss aber mit Bedacht und Sinn passieren.

 

  • Arbeitszeit

In Österreich fordert der österreichische Gewerkschaftsbund, dass die Arbeitszeit  von 38 auf 35 Stunden reduziert wird. Da im Rahmen der Digitalisierung Arbeitsvolumen wegfallen werden, sollen jetzt schon die Arbeitnehmer durch eine Reduzierung der Arbeitszeit entlastet werden. In Deutschland wird eher eine Flexibilisierung gefordert, da starre Regeln oft als Bevormundung empfunden werden. Man möchte je nach Lebensphase seine Arbeitszeit anpassen können – sowohl nach oben als auch nach unten.

 

  • Fachkräftemangel

In beiden Ländern ist der lang angekündigte Fachkräftemangel in vielen Branchen längst bittere Realität. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gehen immer mehr junge Leute studieren. In Österreich sollen die Studienplätze strenger reguliert werden, umso die jungen Menschen in die duale Ausbildung zu leiten. Sieht man die Situation von jungen Akademikern in beiden Ländern, ist festzustellen, dass sie oft schlechte Arbeitsbedingungen haben, die durch hohe Arbeitszeitvolumina, Kettenbefristungen und ein im Verhältnis zur Qualifikation geringes Entgelt geprägt sind.