Arbeit to Go ?!

Arbeit to go ?!?

Ansprüche an die beruflichen Zukunftsperspektiven der jungen Generation

 

Zahlen lügen nicht- häufig stimmt dieser Satz. Zumindest stimmen Zahlen oftmals nachdenklich. So auch die, die dem Berufsbildungsbericht 2012 zu entnehmen ist, dass nur noch 22,5 % der deutschen Firmen ausbilden.

Wie passt eine solche Zahl in eine Zeit, in der Arbeitgeber nahezu kollektiv über Fachkräftemangel klagen?

Sowenig wie das Wehklagen über eine selbstverschuldete Situation in die Zeit passt, passen die Forderungen nach Eigentumsbildung, Familiengründung und Eigenvorsorge in Richtung der jungen Generation zu dem Umstand, dass die Planbarkeit einer beruflichen Zukunft auf ein immer kleineres Zeitfenster beschränkt wird und die Anforderungen an zeitliche und räumliche Flexibilität immer größer werden.

 

Entgrenzung der Arbeitszeit bei Hochqualifizierten auf der einen Seite, Fehlender Einstieg bei Geringqualifizierten auf der anderen Seite und fehlenden Sicherheit als verbindende Linie zwischen beiden Gruppen ergibt ein gesellschaftliches Problemdreieck, dessen Lösung eine der zentralen politischen Aufgaben der nächsten Jahre ist.

 

Aus Sicht der Jungen CDA lässt sich Aufgabe nur mit einer ganzheitlichen Herangehensweise lösen, die sich in nachfolgende thematische Unterpunkte aufteilt:

 

 

 

Rechtlicher Rahmen für die Durchführung von Praktika:

Praktika sind sinnvoll im Rahmen von Hochschulausbildung, um Einblicke in die Praxis gewinnen zu können und sind notwenig im Rahmen der schulischen Ausbildung, um sich eine erste Orientierung für das spätere Berufsleben zu erwerben. Wo Praktika allerdings reguläre Beschäftigung verdrängen und dazu führen, dass Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz oder Ausbildungsplatz ausgebeutet werden, finden sie unseren entschiedenen Widerstand. Wir treten daher dafür ein, dass Praktika durch einen klaren rechtlichen Rahmen geregelt werden. Sollten Praktika nicht im Rahmen einer Schul,- bzw. Hochschulausbildung durchgeführt werden, sollte ihre Dauer auf drei Monate beschränkt und eine Vergütung vorgeschrieben sein, die vergleichbaren Tätigkeiten im Unternehmen entspricht.

 

 

 

Befristungen:

Die Junge CDA ist nicht generell gegen eine Befristung von Arbeitsverhältnisse. Eine Befristung mit klarem Sachgrund, die sich auf ein konkretes Projekt oder eine Schwangerschaftsvertretung beziehen, sind nötig und sinnvoll.

Wenn allerdings im Jahr 2009 47 % aller Neueinstellungen befristete Verträge waren und 36 % der 20-24 jährigen das Normal Arbeitsverhältnis reine Theorie ist, dann stimmt uns diese Entwicklung nachdenklich.

Wir sprechen uns daher für die Abschaffung sachgrundloser Befristungen aus.

 

Der gesetzliche Rahmen sieht eine Probezeit von bis zu 6 Monaten vor. Wir sind der Überzeugung, dass dieser Zeitraum ausreichend ist, um die Leistungsfähigkeit eines neuen Mitarbeiters zu beurteilen und damit eines der Hauptargumente für Befristungen schlichtweg entfällt. Nicht nur die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, sondern auch die Menschen, die dort beschäftigt sind. Die ständige Unsicherheit, ob Befristungen verlängert werden, führen nicht dazu, dass junge Menschen Familien Gründen und Wohneigentum anschaffen.

 

 

 

Leiharbeit / Werkverträge:

Mit großer Sorge verfolgt die Junge CDA die Entwicklungen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung. Die von rot-grün eingeführten Veränderungen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz haben zwar zum einem zu einer Explosion der Beschäftigung in diesem Segment geführt, allerdings Missbrauch und Ausbeutung der Menschen Tür und Tor geöffnet. Die Regelungslücke beim Equal Pay Grundsatz hat einen beispiellosen Unterbietungswettbewerb christlicher Gewerkschaften in Gang gesetzt, die Abschaffung des Synchronisationsverbotes hat die Abwälzung unternehmerischer Risiken auf den Arbeitnehmer ermöglicht.

 

Die Tatsache, dass nahezu eine Million Menschen in der Leiharbeit beschäftigt sind, erhöht aus unserer Sicht den politischen Handlungsbedarf, denn es ist aus unserer Sicht keine gesellschaftliche Aufgabe, Armutslöhne durch Aufstockung zu subventionieren und fehlende Bereitschaft für unternehmerisches Risiko der Gesellschaft aufzubürden, in dem gekündigte Leiharbeiter der allgemeinen Fürsorge anheim fallen.

Wir treten daher entschieden für die Wiedereinführung des Synchronisationsverbotes und der Realisierung des equal pay Grundsatzes nach 3 Monaten ein.

 

Ebenfalls mit großer Sorge beobachten wir die Tendenz, Arbeitnehmerüberlassung, die immerhin noch in Teilen der Mitbestimmung unterliegt, durch sog. Werkverträge zu ersetzen, die in vielen Fällen jedoch nichts anderes sind, als verdeckte Arbeitnehmerüberlassung.<//font><//font>

Eine rechtliche Einschränkung vorzunehmen, beispielsweise durch eine generelle Beschränkung von outsourcing Maßnahmen, halten wir für nicht realisierbar. Gleichwohl kritisieren wir Arbeitgeber, die auf diesem Wege Tarifverträge und Mitbestimmung umgehen, scharf und fordern die Betriebsräte auf, bei der Abgrenzung von Leiharbeit und Werkvertrag genau hinzusehen und im Zweifel die Arbeitsgerichtsbarkeit anzurufen.

 

 

 

Nachträglicher Erwerb von berufsbildender Qualifikation:

Laut Berufsbildungsbericht verfügen 14,6 % der Menschen zwischen 20-29 über keinerlei Berufsabschluss. Fehlende Abschlüsse stellen zugleich eines der zentralen Hemmnisse bei der Aufnahme von regulärer Beschäftigung dar. Im Grundsatz gilt: je besser die persönliche Qualifikation, desdo geringer die Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden bzw. schlecht entlohnt zu werden.

 

In der nachträglichen Qualifizierung gerader junger Menschen sehen wir nicht nur eine gesellschaftliche Verpflichtung, sondern auch eine dringende Notwendigkeit, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen.

 

Seit 2009 existiert der Rechtsanspruch auf Förderung der Vorbereitung zum Erwerb des Hauptschulabschlusses. Aus unserer Sicht ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Junge CDA fordert jedoch, gerade das sog. „WeGebAU“ Projekt der Bundesagentur für Arbeit, dass auf die Qualifizierung von älteren ungelernten Arbeitnehmern abzielt, für jüngere zu öffnen bzw. auszuweiten. Hierbei fordern wir auch die Unternehmen auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und ihren Teil dazu beizutragen, dem Facharbeitermangel aktiv entgegenzutreten und nicht nur nach dem Staat bzw. ausländischen Fachkräften zu rufen. Es stehen bereits heute viele unterschiedliche Fördertöpfe bereit, die allerdings auch abgerufen werden müssen. Bildung und Qualifizierung ist der entscheidende Schlüssel für persönlichen sozialen Aufstieg und Wohlstandssicherung in der Gesellschaft. 

 

Umgang mit Bachelor Abschlüssen:

Die Umstellung der meisten Studiengänge im Rahmen des sog. Bologna Prozesses auf Bachelor / Master sorgt nach wie vor für Unsicherheit, sowohl bei Studenten wie auch bei Unternehmen.

Laut einer Studie des HIS-Institut für Hochschulforschung sei der Bacherlor allerdings am Arbeitsmarkt angekommen. Die Hälfte der Absolventen von Fachhochschulen und ein Viertel der Universitätsabsolventen steigen mit ihm direkt ins Berufsleben ein.

Allerdings zeigen sich bei genauem Hinsehen viele Probleme. Die Tarifvertragswerke sind auf Bachelor Absolventen nicht eingestellt, so dass häufig unklar ist, ob sie als „vollwertige“ Akademiker zu entlohnen sind. Die Firmen klagen über zu wenig Erfahrung und zu junge Absolventen, die Studenten beschweren sich über fehlende Durchlässigkeit zum Erwerb entsprechender Masterabschlüsse und die sog. Akkreditierungsagenturen, die im Auftrag des Akkreditierungsrates die Einführung von Bachelor / Masterstudiengängen begleiten, werden nicht immer ihrer Sorgfaltspflicht gerecht.

 

 

Die Junge CDA bekennt sich natürlich auch zur Existenz sog. Orchideenfächer, die fast keinerlei Attraktivität für den allgemeinen Arbeitsmarkt besitzen, jedoch für den Anspruch einer Kultur,- und Wissenschaftsnation unabdingbar sind, jedoch fordern wie die Akkreditierungsagenturen auf, hinsichtlich der Berufstauglichkeit einzelner Studiengänge genauer hinzusehen und den Praxisbezug deutlich zu verstärken. Bachelor Abschlüsse dürfen nicht dazu führen, dass ein akademischer Abschluss lediglich vorgegaukelt wird.

Die Tarifvertragsparteien werden aufgefordert, einen klaren Rahmen für die Eingruppierung von Bachelor Absolventen zu schaffen.

 

 

 

Einkommenssituation / Mindestlohn:

Seit 1998 ist die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnbereich auf 2,3 Millionen Menschen angestiegen. Analog zu den rot-grünen Arbeitsmarktreformen nimmt die Tarifbindung kontinuierlich ab. Dies führt dazu, dass immer weniger Menschen unter die Schutzwirkung von Tarifverträgen und des klassischen Arbeitsrechtes fallen.

Die Politik kann hier nicht länger tatenlos zusehen. Die vom CDU Bundesparteitag beschlossene Einführung einer Lohnuntergrenze muss noch in dieser Legislaturperiode in die Tat umgesetzt werden. Die CDU darf nicht den Eindruck erwecken, als sei sie der Schutzpatron derjenigen, die ihre Geschäftsmodelle darauf gründen, dass Menschen für Armutslöhne arbeiten. Wenn die CDU es ernst meint, dass Leistung sich lohnen muss, dass ein Mensch, der Vollzeit arbeitet, auch davon Leben können muss und das derjenige, der arbeitet, mehr haben muss als der, der nicht arbeitet, dann muss nun gehandelt werden. Zu diesem Handeln fordern wie die CDU / CSU Bundestagsfraktion nachdrücklich auf.

Die Junge CDA fordert hierzu auch ein Ende der Unionsinternen Debatte, ob es nicht besser sei, verschiedene Lohnuntergrenzen festzusetzen. Wir bekennen uns zu dem nahezu einstimmig gefassten Beschluss des Bundesparteitages in Leipzig, der ausdrücklich von einer Lohnuntergrenze spricht. Regelungen, die schon im Vorfeld Tür und Tor öffnen, der mit der status quo erhalten bleibt, erteilen wir eine klare Absage.

 

 

 

Unternehmerisches Risiko / Gesellschaftliche Verantwortung:

In der katholischen Soziallehre stellt die Übernahme von unternehmerischen Risiko die ethische Voraussetzung für das erzielen von unternehmerischen Gewinn dar. Die allgemeinen Entwicklungen lassen uns an der Bereitschaft, dieses Risiko zu tragen, ernsthaft zweifeln.

Diejenigen, vor allem im Bereich der Finanzwirtschaft, die noch vor nicht all zu langer Zeit den Rückzug des Staates aus allen wirtschaftlichen Belangen gefordert haben, diesen als Wettbewerbshemmnis gegeißelt haben, stehen nun vor den Scherben ihrer eigenen Lobby.

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Fachleute, die tatsächlich beurteilen können, ob eine Bank „systemrelevant“ ist oder nicht. Allerdings befremdet es, wenn in einer Zeit, in der die Ausläufer der letzten Wirtschafts,- und Finanzkrise, die allein von den Banken verursacht wurde, immer noch spürbar sind, immer noch nicht richtigen Schlüsse gezogen wurden, um zum einen, die, die den Schaden verursacht haben, zur Verantwortung zu ziehen und zum anderen Maßnahmen zu ergreifen, um künftig solche Krisen zu vermeiden.

Es ist weder Aufgabe der Gesellschaft, die Haftung für Casino Finanzprodukte zu übernehmen, noch für unterbezahlte Leiharbeiter die Aufstockung zu finanzieren.

Aufgabe von Staat uns Gesellschaft ist es, diejenigen, die nicht nur vom ehrbaren Kaufmann reden, sondern das auch vorleben, in ihrem Tun zu unterstützen und Geschäftsmodelle, die wahlweise auf zocken oder Ausbeutung beruhen, nicht noch zu stützen.

 

Die CDU muss, nicht nur mit Blick auf die Bundestagswahl 2013, noch in dieser Legislaturperiode klar machen, dass sie es ernst meint mit dem Anspruch die letzte Volkspartei in Deutschland zu sein. Kern dieses Volksparteigedankens ist es, eine Politik für die Mehrheit in diesem Land zu gestalten, die Interessen aller zu berücksichtigen und keine Klientelpolitik für Investmentbanker, Arbeitnehmerüberlasser und sonstige Arbeitgeber zu machen, die sich von ihrer Verantwortung für die Gesellschaft verabschiedet haben. Die CDU muss deutlich machen, dass sie Unternehmer unterstützt und nicht dem shareholder value huldigt und die CDU muss deutlich machen, dass sie nah bei den Menschen ist - und zwar im Handeln und nicht in der Theorie.